Im Eltern- und im Arztfragebogen erheben wir zu jedem Geburtstag die Diagnose einer Neurodermitis (atopischen Dermatitis). Die Abbildungen verdeutlichen, wie wertvoll die Ergänzung zwischen elterlichen und ärztlichen Angaben ist.

Ursachen für die fehlende Überlappung zwischen Eltern- und Arztberichten können z. B. ein Missverständnis über die Diagnose, die Behandlung durch Spezialisten oder das Vergessen aufgrund besonders milden Verlaufs oder Zurückbildung der Erkrankung sein. Klar ist jedoch, dass im SPATZ durch die ausführliche Erhebung weniger erkrankte Kinder übersehen werden als in anderen Studien.

Schaubild Neurodermitis

Dieses Bild bleibt bestehen, wenn der unterschiedliche Zeitpunkt der Beantwortung der Fragebögen durch die Eltern und die Ärzte berücksichtigt wird. Als Bestätigung finden wir auch in der Vorgängerstudie vor 11 Jahren, der Ulmer Kinderstudie, ganz ähnliche Ergebnisse. Damit hat der SPATZ eine ausgezeichnete Datengrundlage zur Beforschung dieser Erkrankung.

Leider möchten 9% der SPATZ Familien nicht, dass der Arztfragebogen ausgefüllt wird. Besonders freut uns aber, dass - zusätzlich zur hohen Teilnahmebereitschaft der Eltern - für 95% der Familien auch die behandelnden Ärzte SPATZ Fragebögen ausfüllen.

Inzwischen haben wir die Messungen des Stresshormons Kortisol im Haar der Mütter, das wir kurz nach der Geburt gesammelt hatten, ausgewertet. Bisher gab es nur sehr wenige Studien zum Haarkortisol bei Schwangeren. Unsere Ergebnisse tragen zu einem weiteren Verständnis dieses Biomarkers bei und wurden bereits in wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert.

Wir konnten zeigen, dass der Geburtsmodus, das Körpergewicht der Mutter oder auch die Jahreszeit Einfluss auf das Haarkortisol haben könnten. Außerdem mussten wir feststellen, dass die Höhe des Haarkortisolspiegels nicht mit den Angaben in unseren Stressfragebögen korreliert. Ursachen hierfür können die normale Beeinflussung der Kortisolkonzentration durch die Schwangerschaft oder auch die subjektive mütterliche Wahrnehmung von Stress kurz nach der Geburt sein. Umso wichtiger war und ist es für uns, mit den Fragebögen und dem Haarkortisol zwei verschiedene Messmethoden von psychosozialem Stress im SPATZ einzusetzen.

Stress

Die teure und aufwändige Messung des Kortisols in den weiteren Haarproben, die uns die Mütter und ihre Partner zur Verfügung gestellt haben, wird derzeit durchgeführt. Mit Spannung erwarten wir die weiteren Daten und Auswertungen zu diesem innovativen und bisher wenig beforschten Biomarker. Über unsere Fortschritte halten wir Sie natürlich über das SPATZ Gezwitscher und auch unseren Internetauftritt auf dem Laufenden.

Schlafstörungen sind mit einer Vielzahl von psychischen und körperlichen Gesundheitsstörungen verbunden. Die ersten detaillierten, bundesweit repräsentativen Daten zum Schlaf bei Erwachsenen wurden 2008-2011 vom Robert Koch Institut (www.rki.de) erhoben. In der Studie zur Gesundheit Erwachsener (DEGS1) zeigte sich, dass etwa jeder Dritte während der letzten 4 Wochen möglicherweise gesundheitlich relevante Ein- oder Durchschlafstörungen hatte. Etwa ein Fünftel berichtete zusätzlich über eine schlechte Schlafqualität.

In der 2-Jahres-Erhebung fliegt der SPATZ in neue Regionen: Zum ersten Mal erheben wir Daten zum Schlaf bei den Eltern und den SPATZ Kindern.

Schlafforschung

Im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt ähnlichen Alters haben sowohl die SPATZ Mütter als auch ihre Partner seltener Einschlafstörungen aber häufiger Durchschlafstörungen. Wir sind gespannt, ob sich dieser Unterschied immer noch zeigt, wenn alle TeilnehmerInnen die 2-Jahres-Fragebögen beantwortet haben. Eine Erklärung, die auf der Hand liegt, sind nächtliche Störungen durch das SPATZ Kind.

Darüber hinaus erhoffen wir uns im SPATZ mit den Daten zum Schlaf die Beantwortung wichtiger Fragen, z. B. nicht nur nach der Ursache der Schlafstörungen, sondern auch nach den gesundheitlichen Auswirkungen – auf die Erwachsenen aber auch die SPATZ Kinder.

Die Ernährung ist zweifelsohne relevant für die Gesundheit; Fehl- oder Mangelernährung können schwere Erkrankungen auslösen. Im Bereich der „normalen“ Ernährung ist es schwieriger, eindeutige Beweise für den Zusammenhang mit Gesundheit oder einzelnen Erkrankungen zu finden. Sie kennen sicher unzählige Beispiele von Ernährungsempfehlungen; nicht alle sind wissenschaftlich gesichert.

Um Ernährung gut zu beforschen ist die Ulmer SPATZ Gesundheitsstudie nicht gut geeignet. Der Grund liegt auf der Hand: Die SPATZ Fragebögen werden jeder Familie nur einmal im Jahr zugeschickt. Unsere Ernährungsgewohnheiten unterliegen aber saisonalen Schwankungen und die detaillierte Erinnerung an einzelne Mahlzeiten wird geringer, je mehr Zeit seit der Mahlzeit vergangen ist. Hinzu kommt, dass die Erhebung von Essgewohnheiten nicht nur die Lebensmittel an sich, sondern auch deren konsumierte Menge und ggf. Zusammenstellung berücksichtigen sollten. Dadurch wird ein Fragebogen zu Essgewohnheiten natürlich besonders lang und aufwändig.

Ernährung

Im SPATZ haben wir uns deshalb entschieden, ab der 3-Jahres-Erhebung nur einige wenige sogenannte Indikatoren für eine ausgewogene bzw. eine ungesunde Ernährungsweise der SPATZ Kinder zu erheben. Diese Indikatoren stammen aus einer bundesweit durchgeführten Studie bei Kindern und Jugendlichen des Robert Koch Instituts, der KiGGS-Studie (www.kiggs-studie.de), und der Vorgängerstudie des SPATZ, der Ulmer Kinderstudie. Ab der 4-Jahres-Erhebung werden wir zusätzlich auch Fragen zu körperlicher Aktivität der SPATZ Kinder mit in die Fragebögen aufnehmen.

Seit der 2-Jahres-Erhebung beinhalten die SPATZ Fragebögen Fragen zum Schlafverhalten der Eltern und des SPATZ Kindes. Aus den elterlichen Angaben zum Schlaf kann ein validierter Gesamtwert berechnet werden, der bei höheren Werten schlechtere Schlafqualität widerspiegelt. Erste Auswertungen zeigen, dass jede dritte Mutter und jeder vierte Partner Werte über 5 aufweisen, die als auffällig eingestuft werden.

Die Abbildung verdeutlicht dies, die Größe der Kreise entspricht der Anzahl der Familien mit den jeweiligen Werten der Mutter und des Partners.

Schaubild Schlaf

Interessant ist, dass es einige Familien gibt, in denen beide Eltern Auffälligkeiten zeigen, aber auch viele Familien, in denen dies nur ein Elternteil betrifft. Bei vorliegenden 2- und 3-Jahres-Daten können wir auch den Verlauf betrachten. In den bisher eingegangenen 3-Jahres-Fragebögen zeigt sich, dass bei den Müttern 50% die Schlafauffälligkeit behalten, wohingegen es bei den Partnern 66% sind. Mit Spannung warten wir auf die noch ausstehenden 3-Jahres-Fragebögen, um dieses Thema mit größerer wissenschaftlicher Aussagekraft beleuchten zu können.

Die vorläufigen Ergebnisse zum Schlafverhalten und zur Schlafqualität wurden unter großer Beachtung auf einer internationalen und auf einer deutschen Fachtagung vorgestellt. Der SPATZ kann hier einen guten Beitrag zur wissenschaftlichen Erkenntnis liefern und dadurch zu Empfehlungen zur Früherkennung und/oder Therapie von Schlafstörungen beitragen. Wie der kindliche und der elterliche Schlaf zusammenhängen und welche Faktoren den Verlauf von Schlafstörungen beeinflussen sind Fragen, die wir durch zukünftige Auswertungen der SPATZ Daten beantworten wollen.

Im Vergleich zur Ulmer Säuglingsstudie (Vorgängerstudie aus dem Jahr 2001) ist in der Ulmer SPATZ Gesundheitsstudie der Anteil der stillenden Mütter im gesamten ersten Lebensjahr durchweg höher.

Mit Stillen meinen wir sowohl das Trinken des Säuglings an der Brust als auch die Gabe von abgepumpter Muttermilch. Dabei unterscheiden wir zwischen ausschließlichem Stillen, also ohne Zufüttern von Säuglingsmilch, Pre-Nahrung oder Beikost und dem Stillen insgesamt, selbst wenn das Kind nur noch einmal am Tag Muttermilch erhält.

Schaubild Stillen

Vier Monate nach Geburt lag der Anteil der stillenden Mütter in der Säuglingsstudie bei 63%, wohingegen er im SPATZ bei 71% lag. Anders ausgedrückt: Im SPATZ stillen die Mütter im Schnitt länger als noch in der Säuglingsstudie. Während in der Säuglingsstudie bereits nach 11 Monaten nur noch 20% der Mütter stillten, dauerte es im SPATZ ein Jahr, bis die Stillquote auf 20% angelangt war.

Interessant ist, dass in der Ulmer Säuglingsstudie auch schon kurz nach der Geburt weniger Neugeborene ausschließlich gestillt wurden als in der Ulmer SPATZ Gesundheitsstudie; d. h., im SPATZ wurde bei weniger Kindern in den ersten Lebenswochen Säuglingsmilch oder Pre-Nahrung zugefüttert. Um den 5. Lebensmonat, wenn bei den meisten Kindern Beikost eingeführt wird, gleichen sich die beiden Kurven dann an.

Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen. Natürlich bleibt es den Eltern überlassen, ob sie ihr Kind impfen lassen möchten oder nicht. In der Ulmer SPATZ Gesundheitsstudie erheben wir keine Daten zu Impfungen bei unseren Teilnehmern. Der Grund ist die hohe Impfquote bei den Schutzimpfungen, die von der Ständigen Impfkommission – einem unabhängigen Expertengremium – empfohlen werden.

Da bereits in der Vorgängerstudie vor gut 10 Jahren, der Ulmer Säuglingsstudie, fast alle Kinder geimpft wurden gehen wir davon aus, dass die meisten SPATZ-Kinder ebenfalls geimpft werden. Die Zahl der Kinder, die bestimmte Impfungen nicht erhalten, wird so gering sein, dass wir in der Ulmer SPATZ Gesundheitsstudie über gesundheitliche Effekte des Impfens keine verlässlichen Aussagen treffen könnten.

Impfungen

Die dargestellte Information basiert auf Veröffentlichungen des Robert Koch Instituts (www.rki.de). Das Robert Koch-Institut dient – als wissenschaftlich-medizinische Leitinstitution der Bundesregierung – der Bekämpfung von Infektionskrankheiten und der Analyse gesundheitlicher Trends in der Bevölkerung.

Unterstützt von

  • Firma Britax Römer
  • Firma Beurer

Was ist ulmer-forschen.de?

ulmer-forschen.de ist der Forschungsauftritt des Instituts für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm.

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